Wer an Syrien denkt, wird wohl nicht in erster Linie eine wunderschöne Landschaft, Gastfreundschaft und eine sehr traditionelle, leckere und leichte Küche damit assoziieren.
Die syrische Küche ist eine der Regionalküchen der arabischen Küche mit Einflüssen aus dem ehemaligen Osmanischen Reich. Sie ist stark verwurzelt mit der seiner Nachbarländer und hat daher arabische, persische und osmanische Einflüsse. Genau genommen lässt sich die syrische Küche der Levante zuschreiben, welche die Regionen östlich des Mittelmeers umfasst. Die Levante war jahrelang Durchzugsgebiet fremder Herrscher und Händler, das hat die Küchentradition dort stark geprägt.
Heute ist die syrische Küche eine sehr Leichte, es wird mit viel Gemüse und nur recht wenig Fleisch gekocht. Aufgrund der vielen Muslime im Land wird aus religiösen Gründen kaum bis kein Schweinefleisch gegessen. Das Gemüse ist meist sehr saisonal, zu den häufigsten Gemüsesorten gehören Auberginen, Tomaten, Zucchini und Okraschoten. Zudem wird sehr viel mit Hülsenfrüchten und Reis gekocht und zu den Gerichten wird häufig Pita-Brot gereicht. Auch die Gewürze sind sehr wichtig in der syrischen Küche. Minze, Koriander, Petersilie, Kreuzkümmel, Kardamom, Zimt, Safran und Sesam sind in fast jedem Haushalt zu finden.
Doch obwohl diese leichte und gesunde Art zu kochen vor allem in den letzten Jahren zu einem regelrechten Trend geworden ist, verbinden wir mit Syrien in erster Linie den Krieg und somit auch viele Flüchtlinge, die ihr Land deshalb verlassen mussten. Für viele dieser Flüchtlinge ist das Kochen der syrischen Rezepte eine Möglichkeit, sich auch in der Fremde wieder an ihre Heimat zurück zu erinnern.
Der Geschmack von Heimat
Für viele Menschen ist das „heimische“ Essen verbunden mit Erinnerungen. Jeder von uns hat schon einmal „Das schmeckt wie bei meiner Oma!“ gehört. Wir speichern leckere Gerichte oder schöne Erlebnisse, die wir beim Essen hatten, als positive Erinnerungen ab. Daher kommt es auch oft, dass wir uns eben an einen Geschmack und an ein bestimmtes Gefühl zurück erinnern.
Gleichzeitig sagen viele Soziologen wie zum Beispiel auch Georg Simmel, dass Essen auch Identität schafft und darstellt. Man sieht in unserer Zivilisation das Essen nicht mehr als reine Nahrungsaufnahme, sie wird zu einem Teil unserer Kultur. Die Zubereitungsart, die Art in der wir die Nahrung zu uns nehmen, die Traditionen – all das ist Kultur. Wenn wir also Essen zubereiten, mit dem wir aufgewachsen sind, leben wir unsere Kultur und identifizieren uns mit dem, was auf den Tisch kommt.
Jeder hat das Grundbedürfnis Nahrung zu sich zu nehmen. Somit ist das Essen also etwas, das Menschen, egal wie unterschiedlich sie sich sonst sein mögen, miteinander verbindet. Dazu kommt, dass wir mit dem gemeinsamen Essen auch ein familiäres Gefühl assoziieren. Früher war es unsere Mutter, welche uns ernährt hat. Zuerst geschah dies im Mutterleib, später am gemeinsamen Tisch mit der Familie. Elias Canetti beschreibt in seinem Text „Zur Psychologie des Essens“ (1960) dieses Gefühl mit den folgenden Worten: „Die Aufnahme am Tisch kommt der Aufnahme in die Familie gleich.“
Für Menschen aus ihrer Heimat fliehen mussten oder sich aus anderen Gründen weit weg von ihrer Herkunft befinden kann das Kochen gewohnter Gerichte sowie das Essen in einer Gemeinschaft helfen, positive Gefühle zu wecken und die eigene Identität zu bewahren. Nicht umsonst gibt es viele Projekte in denen Flüchtlinge oder Migranten gemeinsam kochen. Eines davon ist zum Beispiel „Über den Tellerrand“. Der 2013 in Berlin gegründete gemeinnützige Verein soll zur Integration von Menschen mit Fluchterfahrung beitragen. Mit Kochbüchern und Kochkursen finanziert sich das Projekt selbst. Im Kitchen Hub, der Begegnungsstätte in Berlin, treffen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund aufeinander, tauschen sich aus und kochen gemeinsam. Auf ihrer Seite findest du auch viele interessante Rezepte!
Wie jeder von uns es sich vorstellen kann, ist es nicht einfach von heute auf morgen sein Herkunftsland zu verlassen und ein neues Land seine Heimat nennen zu müssen. Dennoch haben viele Syrer und auch andere Flüchtlinge seit vielen Jahren keine andere Wahl als aus ihrem Heimatland zu fliehen. Die Heimat daher „im Kochtopf“ mitnehmen zu können, ist nicht nur sehr lecker, sondern hilft auch seine eigene Identität zu wahren und seine Kultur nicht aus den Augen zu verlieren.
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