Wein, Olivenöl, Gemüse – spanische Produkte sind weltweit bekannt und geliebt. Die feurige Sonne, eine ausgeprägte, vielfältige Landschaft und die Nähe zum Meer bieten nicht nur eine wunderbare Lebensqualität für Einwohner und Touristen, die perfekten Bedingungen führen dazu, dass die Produkte und die Küche Spaniens besonders köstlich und auf der ganzen Welt dafür bekannt sind.
Daher ist es nicht erstaunlich, dass die Tapas als eine der repräsentativsten Traditionen der kulinarischen Kultur Spaniens nun zum Weltkulturerbe werden soll. Im vergangenen Jahr 2018 wurde dieser Antrag in der „Official State Gazette“ veröffentlicht. Im Antrag steht mitunter: „Tapas und die Art sie zu genießen, immer in Gesellschaft, begründen eine der wichtigsten Traditionen und stellen einen wichtigen Teil unserer kulturellen Identität dar.“
Diese Tradition des „Tapasessen“ in Gesellschaft wird in Spanien auch „Tapear“ genannt. Es beschreibt die spanische Leidenschaft gemeinsam durch die Bars zu ziehen, dort ein paar Gläser, meist Wein, zu trinken und zu jedem Getränk ein Häppchen zu essen. Somit zieht man mit seinen Freunden mitunter die ganze Nacht durch die Bars, trinkt Wein und genießt die köstlichen Tapas, die sich von Region zu Region unterscheiden können. In Spanien wird oft erst gegen 22 Uhr zu Abend gegessen, daher sind die Snacks eine willkommene Überbrückung vor dem Dinner. Doch die würzigen Tapas erfreuten sich so großer Beliebtheit, dass sie schnell zum Highlight und einer großen Tradition wurden.
Eine historische Tradition
Die Herkunft dieser spanischen Tradition ist jedoch umstritten, es gibt gleich mehrere Theorien wie es zu dieser besonderen Art des Snacks kommen konnte. Eine erzählt dabei von dem König Philipp II., der, um die Trunkenheit in den spanischen Städten zu reduzieren, veranlasste, dass zu allen Getränken immer ein Häppchen serviert werden müsse. Eine andere behauptet, dass besagter König eine Zeit lang sehr krank war und nur Wein und kleine Happen zu sich nehmen konnte. Da ihm diese Art der Ernährung hervorragend schmeckte führte er diese Tradition auch später weiter und verbreitete sie.
Die wohl bekannteste Theorie hängt jedoch mit dem Namen der Tapas zusammen. Tapa bedeutet auf spanisch „Deckel“. Angeblich kamen spitzfindige Gastronomen und Kellner in Andalusien, manche behaupten in Sevilla, auf die Idee, die Gläser der Gäste abzudecken, um sie so vor Dreck und Fliegen zu schützen. Nun sollen sie Käsescheiben, Oliven oder Schinken auf die Abdeckung gelegt haben um sie zu beschweren und den Gästen einen kleinen Anreiz zu bieten. Diese kleine Aufmerksamkeit bekam so viel Zuspruch, dass schon bald darauf die Häppchen variiert wurden und sich diese Vorgehensweise auch in anderen Bars und Regionen verbreitete.
Tapas und Wein – eine perfekte Kombination
Ebenso bekannt wie die Tapas ist der exzellente spanische Wein, der meist dazu getrunken wird. Auch der Weinanbau in Spanien hat bereits eine lange Tradition, man geht davon aus, dass sie bis ins Jahr 4000 v. Chr. zurück reicht. Von den insgesamt ca. 50 Weinbaugebieten ist La Rioja wohl die bekannteste. Ebenso beliebt ist der Sherry, die gesamte Weltproduktion des Likörweins stammt aus der spanischen Kleinstadt Jerez de la Frontera.
Die Tapas und die spanischen Weine sind heute über die Grenzen Spaniens weltweit bekannt. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile unzählige Tapasbars, welche die köstlichen Häppchen, die Weine und die Tradition des Tapear auch Nicht-Spaniern näherbringen und ermöglichen sollen. Jedoch wird auf vielen deutschen Speisekarten das Tapasessen ein wenig anders interpretiert. Meist wird hier, gemeinsam mit Freunden, eine Auswahl bestellt und gemeinsam geteilt.
Die kleinen Häppchen erfreuen sich jedoch auch in anderen Ländern großer Beliebtheit. In Portugal gibt es sogar eine eigene Interpretation der Snacks. Dort werden sie „Petiscos“ genannt. In den sogenannten Petisquerias werden die portugiesischen Varianten als kleinere Versionen von Mahlzeiten angeboten, damit man sich durch die Karte probieren und dabei ein oder zwei Gläschen portugiesischen Weines genießen kann.
Wie man sieht, Tapas ist nicht einfach nur ein zu klein geratenes Gericht. Hinter den Tapas steckt Geschichte, viel Leidenschaft, tolle Produkte und eine einzigartige Tradition, welche vor allem durch die Mentalität der Spanier geprägt wird. Das gemeinsame Ausgehen bis spät in die Nacht, der Barbesuch mit Freunden und das Genießen – el tapeo ist eine große Leidenschaft der Spanier und macht auch den Urlaub der Touristen zu etwas ganz Besonderem, wenn sie es selbst einmal ausprobieren.
Für alle die die spanischen Tapas zuhause selbst einmal ausprobieren möchten hab ich hier einige der bekanntesten Tapas zusammengestellt und sie mit tollen Rezepten hinterlegt. Guten Appetit!
- Aioli
- Tortilla de Patata
- Datteln im Speckmantel
- Frittierte Sardinen
- Gambas al Pil Pil (mit Knoblauch)
- Gekochter Tintenfisch
- Croquetas de Jamón y Pollo
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