Usbekistan wird für viele ein etwas unbekannteres Land sein, auch ich konnte mir im ersten Moment nicht viel darunter vorstellen. Von dem Geschichtenreichtum, den Traditionen, der Kultur und den Menschen hat mir Vera bei unserem gemeinsamen kochen jedoch erzählt und ich war auf Anhieb begeistert – von der Frau die vor mir stand und den Geschichten aus ihrer Vergangenheit.

Vera ist die Tochter von Deutsch-Russen, die 1941 aus Russland nach Kasachstan deportiert wurden. Sieben Jahre lang wurde ihr Vater darauf hin in einem Gefangenenlager in Sibirien festgehalten, bis er wieder zu seiner Frau und der Familie zurückkehren konnte. Kurz darauf erblickte Vera das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie in der Stadt Ferghana in Usbekistan. Die Erinnerungen ihrer Kindheit sind es auch, was für sie Heimat bedeutet. „Die Gebäcke und die Gerichte meiner Mutter, der Geruch unseres Zuhauses, das ist es was Heimat für mich ist. Heimat hat für mich einfach einen speziellen Geruch nach dem Gekochten meiner Mutter, dem Gras und vor allem dem Apfelbaum in unserem Garten.“ Während sie mir davon erzählt ist die Emotion spürbar, Tränen überkommen sie, als sie an ihre Vergangenheit und ihre verstorbene Mutter zurück denkt.
Um sich ein wenig der Vergangenheit und dem Land ihrer Kindheit zu bewahren, aus dem sie leider selbst flüchten mussten, haben sie und ihr Mann sich einen Apfelbaum wie den aus ihrer Kindheit hier in Deutschland in den Garten gepflanzt.
Auch die Gerichte aus Usbekistan kocht sie noch immer gerne, für ihren Enkel sind die Usbekischen Gerichte die Gerichte seiner Kindheit bei Oma.
In die Künste des usbekischen Nationalgerichtes Plov weiht sie mich heute ein. Dabei erzählt sie mir, dass der Plov in Usbekistan eigentlich mit einer Art Hammelfleisch gemacht wird, bei dem an den Hinterbeinen sehr viel Fett vorhanden ist. Das Fett wird dann ausgelassen und als Bratfett für das Fleisch verwendet. Leider konnte sie in Deutschland bisher kein vergleichbares Fleisch finden, denn das sei es, was das Gericht in Usbekistan so einzigartig mache.
Der Plov ist in Usbekistan viel mehr als nur ein schlichtes Reisgericht. „In Usbekistan verlässt keiner das Haus eines anderen, ohne Plov zu essen bekommen zu haben!“, verrät sie mir. Im Zweifelsfall bekommt der Gast eine Tasse grünen Tee und in der Zwischenzeit wird im Raum nebenan der Plov gekocht. Der Vorteil dieses Gerichts ist laut Vera, dass man zuerst die Sirwak aufsetzt und später den Reis hinzu gibt. Sie selbst kocht daher gerne die Sirwak schon am Tag vorher und gibt, wenn die Gäste da sind, einfach den Reis zum fertig kochen hinzu.
Viel Spaß beim nachkochen!
Plov aus der Stadt Ferghana

Zutaten
- 1 Beinscheibe vom Rind; alternativ auch Lammfleisch (ca. 500g)
- 1 Zwiebel
- 4 Knoblauchzehen und eine ganze Knoblauchknolle
- ca. 300 g Karotten
- ca. 300 g Parboiled Reis
- 3 Lorbeerblätter
- Granatapfel
- Salz
- Pfeffer
- ca. 10 Berberitzen
- Kreuzkümmel, ganz
- Usbekische Gewürzmischung (u.a. Koriander, scharfer Pfeffer, Paprika, Basilikum, blauer Basilikum)
- viel Pflanzenfett zum anbraten
Zubereitung Sirwak
- Die Zwiebel wird in Scheiben geschnitten und in reichlich Öl frittiert. Wichtig ist die Zwiebel zuerst zu braten, da sie dem Gericht die Farbe verleiht.
- Das Fleisch wird in mundgerechte Stücke geschnitten und mit dem Knochen ebenfalls zur Zwiebel hinzugegeben und frittiert. Das Fleisch wird so lange gebraten bis es von allen Seiten Röstaromen bekommen hat.
- Die Karotten werden geraspelt und ebenfalls zum Fleisch und der Zwiebel hinzugegeben, sobald das Fleisch ein wenig angeröstet ist. Die Knoblauchzehen werden in Scheiben geschnitten und zum braten hinzugegeben.
- Sobald das Fleisch sowie die Karotten angeröstet sind und eine dunkle Farbe bekommen haben wir alles in einen großen Topf gegeben und mit heißem Wasser aufgegossen. Mit scharfem Pfeffer, Salz, Berberitzen, Lorbeerblättern, Kreuzkümmel und dem Usbekischen Gewürz würzen und am Besten etwa 2 Stunden bei mittlerer Flamme und geschlossenem Deckel köcheln lassen.
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Fertigstellung des Plov
- Nach zwei Stunden wird der Reis sowie erneut Kreuzkümmel hinzugegeben. Der Topf wird mit Wasser aufgefüllt, sodass das Wasser etwa einen Fingerbreit über dem Reis steht. In die Mitte wird eine Knoblauchknolle zum mitkochen gelegt. Nun noch einmal etwa 25 Minuten köcheln lassen, bis der Reis gar ist. (Achtung, variiert eventuell je nach Reissorte!)
- In der Zwischenzeit die Granatapfelkerne aus der Frucht lösen. TIPP: Dies gelingt am Besten, indem man mit einem schweren Messerstiel von oben auf den halbierten Granatapfel steht! Unten findest du ein Video dazu.
- Sobald der Reis fertig gekocht ist kann angerichtet werden. Im Original wird Plov mit einer Schöpfkelle auf eine große Platte angerichtet, das Fleisch wird kreisförmig auf den Reis gelegt und in die Mitte kommt die gekochte Knoblauchknolle. Über das Gericht werden die Granatapfelkerne gestreut.
Hierzu passt der usbekische Tomatensalat perfekt! Dazu einfach Tomaten in ganz dünne Scheiben schneiden, die Zwiebeln in feine Streifen raspeln bzw. schneiden und Salat mit etwas Essig, Olivenöl, Salz und Pfeffer vermengen. Fertig!
Hier noch ein kleiner YouTube-Tipp von Vera, wie man Granatapfel richtig entkernt!